Kompletter Wochenrückblick zur NVIDIA-Aktie: alle Schlagzeilen in Reihenfolge, Kursniveaus, Optionsflüsse und was vor den Zahlen am 19. November wirklich zählt.
WAS IST MIT DER ATOS-AKTIE PASSIERT?
Atos SE (Ticker: ATO.PA), ein führendes französisches IT- und Digitalunternehmen, hat eine beispiellose Krise hinter sich. Zwischen 2021 und 2024 verlor das Unternehmen über 98,5 % seines Börsenwerts. Der Grund: eine hohe Nettoverschuldung von 4,8 Milliarden Euro (rund 4,5 Milliarden CHF), gescheiterte Akquisitionen und strategische Fehlentscheidungen. 2024 fiel die Aktie auf ein Rekordtief von 0,0035 €, was Ängste vor einer Insolvenz auslöste. Der französische Staat griff ein, um strategisch wichtige Geschäftsbereiche – etwa Supercomputing und Cybersecurity – zu sichern. Im April 2025 führte Atos einen Reverse Stock Split im Verhältnis 1:10.000 durch. Dadurch wurde das Kapital strukturell bereinigt und die Aktienzahl drastisch reduziert. Seitdem hat sich die Aktie um rund 100 % seit Jahresbeginn erholt, aktuell um 48 € (entspricht etwa 46 CHF), bleibt jedoch stark volatil. Für Anleger in der Schweiz ist Atos ein Symbol für Risiko, aber auch für die Möglichkeit einer spektakulären Wende.
Vom Absturz zur Krise
Ein tiefer Fall eines einstigen Technologiestars
Atos SE war über Jahrzehnte hinweg ein Flaggschiff der europäischen IT-Dienstleistungsbranche. Doch zwischen 2021 und 2024 wandelte sich das Bild radikal: von einem stabilen Marktführer zu einem Sanierungsfall. Die Ursachen waren vielfältig: Ein zu hoher Schuldenstand, schwaches Management, Fehlinvestitionen und eine langsame Anpassung an den Wandel der digitalen Welt. Während Wettbewerber wie Capgemini, IBM und Accenture massiv in Cloud, KI und Cybersicherheit investierten, blieb Atos hinterher. Das Vertrauen der Märkte brach ein, die Liquidität schmolz dahin – und die Aktie wurde zum Pennystock.
Die Zahlen sprechen für sich: Innerhalb von drei Jahren verlor die Aktie über 98,5 % ihres Wertes. Von einem Kurs über 60 € im Jahr 2021 stürzte sie bis 2024 auf 0,0035 €. Damit war Atos an der Pariser Börse praktisch bedeutungslos geworden. Das Szenario einer Insolvenz oder einer massiven Verwässerung der Aktionäre rückte bedrohlich nahe. Selbst in der Schweiz, wo viele institutionelle Anleger (z. B. über Fonds) beteiligt waren, wurden die Bestände nahezu abgeschrieben.
Verkaufsgespräche und staatliche Rettung
In dieser Lage versuchte das Management, liquide Mittel durch den Verkauf von Unternehmensteilen zu beschaffen. Besonders die Big Data & Cybersecurity-Sparte (BDS) galt als wertvoll. Gespräche mit Airbus über einen möglichen Verkauf im Bereich von 1,5–1,8 Milliarden Euro (etwa 1,4–1,7 Milliarden CHF) scheiterten jedoch. Die Finanzlage blieb angespannt: Der Konzern hatte eine Nettoverschuldung von rund 4,8 Milliarden Euro und massive operative Verluste.
Daraufhin griff der französische Staat ein, um sicherheitsrelevante Bereiche zu schützen – insbesondere die Supercomputing-Division, die eine zentrale Rolle für die Verteidigung und wissenschaftliche Forschung spielt. Im November 2024 wurde ein Teil davon für rund 500 Millionen Euro (circa 470 Millionen CHF) an den Staat verkauft, mit einer Option auf vollständige Übernahme bis Mai 2025. Dieser Schritt brachte kurzfristig Entlastung und Vertrauen zurück – die Aktie stieg binnen weniger Tage um 99 %. Doch strukturell blieb Atos angeschlagen. Die langfristigen Schulden und die fehlende Rentabilität lasteten weiterhin schwer.
Nettoschulden: 4,8 Milliarden € (≈ 4,5 Milliarden CHF)
Wertverlust von über 98,5 % zwischen 2021–2024
Gescheiterter Verkauf an Airbus
Teilverkauf der Supercomputing-Division für 500 Mio €
Kurzzeitige Erholung um 99 % im November 2024
Die Intervention der Regierung war für viele Analysten das entscheidende Signal: Der französische Staat würde Atos nicht fallen lassen – jedenfalls nicht vollständig. Doch die Bedingungen waren streng: Restrukturierung, Schuldenabbau und eine nachhaltige Neuausrichtung des Geschäftsmodells waren die Voraussetzungen für weiteres Vertrauen.
Der Sanierungsplan 2025
Ein drastischer Neustart
Zu Beginn des Jahres 2025 präsentierte Atos einen umfassenden Restrukturierungsplan. Ziel war es, die Nettoschulden bis Ende des Jahres auf rund 2,4 Milliarden Euro (etwa 2,25 Milliarden CHF) zu halbieren und die Kapitalstruktur zu stabilisieren. Der Plan wurde unter Aufsicht des französischen Finanzministeriums ausgearbeitet, um die Gläubiger zu beruhigen. Ein wichtiger Bestandteil war eine Umschuldung, die längere Rückzahlungsfristen und günstigere Konditionen vorsah.
Am 24. April 2025 kam es zu einem der spektakulärsten technischen Schritte in der europäischen Börsengeschichte: Atos führte eine 1-zu-10.000-Aktienzusammenlegung durch. Aus 190,2 Milliarden alten Aktien wurden etwa 19 Millionen neue. Der Nennwert je Aktie stieg von 0,0001 € auf 1 €. Diese Maßnahme veränderte die Kapitalisierung nicht, sorgte aber für sichtbare Ordnung im Aktienregister. An den Handelsplattformen sah es allerdings so aus, als hätte sich die Aktie von 0,0035 € auf 35 € verteuert – ein scheinbarer Anstieg von +945.000 %, der viele Kleinanleger verwirrte.
Restrukturierung, Vertrauen, Volatilität
Im Juni 2025 genehmigte die Hauptversammlung den Vierjahres-Transformationsplan. Ziel: Kostensenkung, Konzentration auf profitable Geschäftsbereiche und eine nachhaltige Rückkehr zur Rentabilität. Atos strebt an, bis Ende 2025 eine Verschuldungsquote (Debt-to-EBITDA) unter 3 zu erreichen. Erste Ergebnisse sind ermutigend: Ein Book-to-Bill-Verhältnis von 117 % und ein Auftragsbestand von 13 Milliarden € (ca. 12,2 Milliarden CHF) deuten auf eine Erholung der Nachfrage hin.
Schuldenziel: 2,4 Milliarden € (≈ 2,25 Milliarden CHF)
Book-to-Bill-Ratio: 117 %
Neuer Auftragsbestand: 13 Milliarden €
Aktie 2025: +100 % seit Jahresbeginn
Volatilität bleibt hoch (–12,4 % im September)
Im September 2025 fiel die Aktie um 12,4 %, nachdem Unstimmigkeiten in den Bilanzen der US-Tochtergesellschaften publik wurden. Im Oktober legte sie jedoch um 16 % zu, bevor Anfang November erneut ein Rückgang von 4 % verzeichnet wurde. Das zeigt: Das Vertrauen wächst, bleibt aber fragil. Analysten in Zürich und Genf betonen, dass sich Atos auf einem langen, aber prinzipiell gangbaren Erholungspfad befindet – sofern die finanzielle Disziplin eingehalten wird.
Atos: Risiko oder Chance?
Hohe Risiken, aber sichtbares Potenzial
Stand 9. November 2025 notiert die Aktie zwischen 47 € und 49 € (rund 45–46 CHF). Die Marktkapitalisierung beträgt etwa 957 Millionen Euro (knapp 900 Millionen CHF). Nach einem Verlust von 99 % über fünf Jahre ist dies zwar kein Comeback im klassischen Sinn, aber ein Schritt in Richtung Stabilisierung. Die Performance 2025 liegt bei +4,7 %, nach einem Minus von –1 % im Vorjahr.
Atos schreibt weiterhin Verluste und hat seit 2021 keine Dividende mehr gezahlt (die letzte lag bei 0,90 € pro Aktie). Dennoch sehen einige Analysten erhebliches Aufwärtspotenzial: Discounted-Cashflow-Analysen deuten auf eine Unterbewertung von bis zu 73 % hin, mit einem fairen Wert zwischen 170 und 180 € (ca. 165–175 CHF). Dieser Optimismus basiert auf der Annahme, dass der Restrukturierungsplan funktioniert, die Regierung ihre Unterstützung beibehält und das operative Geschäft nachhaltig wächst.
Analystenmeinungen und Marktausblick
Die Einschätzungen bleiben gespalten. Banken wie Société Générale und BNP Paribas stufen die Aktie weiterhin als „Sell“ ein, während unabhängige Analysehäuser und einige Schweizer Vermögensverwalter sie als Turnaround-Chance bewerten. Das Kursziel der Optimisten liegt zwischen 150 und 180 €, während die Pessimisten eher 30–40 € als fair ansehen. Entscheidend sind die kommenden Quartalsergebnisse, die am 17. April 2025 erwartet werden – sie gelten als Testfall für die Glaubwürdigkeit der neuen Strategie.
Aktueller Kurs: 48 € (≈ 46 CHF)
Marktkapitalisierung: 957 Mio € (≈ 900 Mio CHF)
Faire Bewertung: 170–180 € (≈ 165–175 CHF)
Ziel: Debt/EBITDA <3 bis Ende 2025
Nächster Termin: Q1-Ergebnisse 17. April 2025
Für Anleger aus der Schweiz ist Atos kein klassisches „Buy-and-Hold“-Papier, sondern eher eine spekulative Turnaround-Wette. Das Risiko bleibt beträchtlich, doch der Staat steht hinter dem Unternehmen, und die operative Basis scheint sich zu festigen. Ähnliche Fälle – etwa bei Casino oder Air France – zeigen, dass eine erfolgreiche Sanierung möglich ist, aber auch scheitern kann. Wer in Atos investiert, muss starke Nerven und einen langen Atem haben.
Was Schweizer Investoren beachten sollten
Für Schweizer Anleger, die über internationale Fonds oder direkt an der Euronext handeln, gilt: Die Liquidität der Aktie bleibt gering. Das tägliche Handelsvolumen liegt bei etwa 208.000 Aktien, was rund 9–10 Mio CHF entspricht. Eine Order kann daher stark auf den Preis wirken. Der Schweizer Franken als Referenzwährung bietet dabei eine gewisse Stabilität, aber Kursbewegungen zwischen Euro und Franken beeinflussen die reale Rendite. Wer investiert, sollte das Wechselkursrisiko berücksichtigen – insbesondere, wenn die Aktie unter 45 CHF fällt oder über 60 CHF steigt, wo technische Widerstände liegen.
Handelsvolumen: rund 208’000 Aktien/Tag (~9 Mio CHF)
Keine Dividenden seit 2021
Hohe Kursschwankungen (±15 % monatlich)
Wechselkursrisiko für CHF-Anleger
Langfristiger Zeithorizont notwendig
Atos ist ein schwieriger, aber nicht hoffnungsloser Fall. Für risikobewusste Schweizer Anleger könnte der Einstieg zu aktuellen Kursen eine Gelegenheit bieten – allerdings nur mit klar definiertem Risikomanagement und Geduld. Die Aktie bleibt eine Turnaround-Geschichte, kein stabiler Dividendenwert.
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